Freiheit für Josef

"Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen." (George Orwell)

“Josef – Der Prozess” Autor J. Behm

1914 – vor genau 100 Jahren schrieb Franz Kafka seine Kapitel zum “PROZESS”.
Heute 2014 erleben wir das Stück in Österreich neu.
Angeklagt ist, damals wie heute:
Josef !
Er steht vor Gericht.
Das Urteil wird bereits vollstreckt. Später wird es verkündet werden.
Beweise fehlen, sind bisher aber auch nicht notwendig.
Jedwede Verteidigung erscheint nutzlos.
Aber, das ist neu! Er wird verhandelt!
Spielstätte: Österreich, Landesgericht
Prolog:
Kafka wälzte sich kichernd in seinem Grab. Er träumte, wie der Gerichtsdiener auf der Suche nach dem toten Paragraphen immer wieder die Treppe runter geschubst wurde. Letztendlich gelang es dem Diener aber doch, das tote Recht wieder lebendig zu machen. Kafka wurde unruhig in seinem Grab. Er träumte schlecht, er muss wieder zum Prozess, seinem Prozess. Der war nie zu Ende. Dass sein Freund Brod seinen Text mit einem Ende veröffentlichte, hatte er nicht gewollt. Das Leben selbst setzte seinen Prozess fort, in Österreich.
Inzwischen hatte Brod seinen Namen zum Markenzeichen gemacht, für diese Welt, die sich nicht geändert hatte, für diese Zeit, die lief, aber sich im Kreis bewegte. Kafkas Name stand für ihn, für Josef, für seine Person im Räderwerk seiner Zeit, in seiner Welt, seinem Rechtsstaat, der seine Freiheit bestimmte, der seine Freiheit festlegte und verteidigte. Seine Welt hatte eine Marke aus ihm gemacht, aus ihm, Kafka. Ks. Zeitalter, das Kafkaeske, das Absurde, das Unabänderliche. Seine Welt hatte die Freiheit als Leitvision festgelegt. Er hatte Haltung gezeigt, nun stand er darin als Angeklagter.
Kafka träumte schwer: Josef K., Josef S., Franz K., Franz Josef K., Kaiser Franz Josef, … alles drehte sich wieder im Kreis wie vor 100 Jahren. Es trieb ihn um und hoch. Endlich hat er, Josef, seine Anklage, und es soll verhandelt werden.
Lange hatte er darauf gewartet. 100 Jahre! Da kann man nicht ruhig liegen bleiben. Er steht auf, fährt nach Wien, zum Prozess, zu seinem Prozess.
Kafka besucht Josef im Gefängnis. Er begegnet seinem Helden, Josef, sich. Sie trennt die Glasscheibe im Besucherzimmer. Sie schauen sich an. Sie kennen sich.
Blicke tauschend, zweifelnd, skeptisch, ihr Lächeln fatal, jeglicher Aussichtslosigkeit bewusst. Sie kennen ihre Vergangenheit. Sie wissen die Zukunft. Man muss nichts sagen.
Josef: “Du hier?”
Kafka: “Ja”
J.: “Ich hab Deinen Prozess gelesen.”
K.: “Das hab ich nicht gewollt. Der Text sollte vernichtet werden. Aber er war stärker als ich. Er hat mich überlebt, überdauert. Ich konnte es nicht verhindern.”
J.: “Dein Josef wurde nie verurteilt. Ich bin angeklagt und soll verurteilt werden.”
K.: “Du weißt, man benötigt keine Anklage für ein Urteil. Du wirst nichts ändern können, was Du auch tust. Ein Urteil soll kommen?”
J.: “Ich brauche kein Urteil mehr, das wird bereits vollstreckt.”
K. nickt.
J.: “Nein, mit Urteil wäre es besser, die Haftbedingungen milder. Auf diese Freude kann ich jetzt noch nicht hoffen.”
Im Besucherraum schauen sie durch das Glas, das Sie trennt. Im Spiegelbild der Glasscheibe, überlagern sich ihre Konturen, sie werden zu eins. K. ist wieder Josef, Josef ist K.. Kafka hat endlich seine Verhandlung. 100 Jahre später.

Fortsetzung, einige Tage später im Gericht:
Kafka schmunzelt. Er kennt seine Richter.
Es wird Recht gesprochen. Alles was Recht ist, ist zu beantragen oder einzuklagen. Die Paragrafen kennen das Leben und haben für alle Fälle eine Antwort. Die Urteile stehen im Katalog und sind nachzuschlagen. Für das Recht ist gesorgt, für das Leben auch, es ist geregelt. So oder so. Zuweilen prallen verschiedene Rechte auf einander. So gegen so. Ein Recht widerspricht dem anderen. Auch dafür ist gesorgt. Ein Richter klärt, was höherwertig ist. Er entscheidet: feiern oder demonstrieren, vermummen oder warm anziehen, zuschauen oder mitmachen, urteilen oder richten, anklagen oder verteidigen, Freiheit oder Recht.
Man wird sehn, was dabei herauskommt. Wem das Ergebnis nicht gefällt, klagt noch einmal beim höherwertigeren Richter. Das geht eine Weile so weiter. Der Prozess hat gerade erst angefangen, nach 100 Jahren.

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