Freiheit für Josef

"Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen." (George Orwell)

Frei aber schuldig gesprochen.

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Josef220714In den letzten zwei Tagen waren wir zu emotional aufgewühlt, um euch auf unseren Blog auf den Laufenden zu halten. Ich denke, ihr könnt Verständnis für unsere Situation aufbringen.
Daher nur eine kurze Meldung an dieser Stelle. Ein ausführlicher Bericht wird folgen, wenn sich die Eindrücke gesetzt haben. In der Zwischenzeit bieten umfassende Medienberichte die Möglichkeit in Bild des Prozesses zu machen insbesondere im Standard im Liveticker.

Weitere Berichterstattung finden sich in der  Süddeutschen Zeitung, bei Spiegel Online am 22.07.2014 sowie am 21.07.2014, im Standard, bei Wien.ORF, Vienna.at und im Kurier.

Nicht nur lesen, sondern auch hören, kann man im FM4.ORF.

Oder auch ansehen im aktuellen Fernsehpressespiegel.

Nicht nur die Presse, sondern auch angesehene Juristen betrachten Josefs Fall als äußert problematisch. So äußert sich Dr. Oliver Scheiber ist Richter, Lehrbeauftragter an der Universität Wien und Mitglied der Allianz gegen die Gleichgültigkeit, auf der Seite der Verwaltungsrichter-Vereinigung Österreichs wie folgt:
“Der Fall Josef S. wäre ein guter Anlass, der Personalauswahl sowie Aus- und Fortbildung der Richter und Staatsanwälte mehr an Aufmerksamkeit und Mittel zukommen zu lassen und neue Initiativen zu setzen – als Dienst an Rechtsstaat und Bevölkerung.”

 

 

5 Kommentare

  1. Alles Gute für Josef und einen wunderschönen freien Sommer mit seiner Familie und Freunden wünsche ich!

    Trotzdem bleibt die Verurteilung ein Skandal. Wer die Berichte gelesen hat, weiß, dass es keinerlei Zipfelchen eines Beweises gab.

    Es sagt vieles über den “Rechtsstaat” und auch über die Rechtstaatsgläubiger vieler aus, die jetzt hämisch sind.

    Obwohl Ihr sicher noch längst nicht “fertig” seid mit der Situation, vergesst die Erholung und Entspannung nicht…

  2. Mit gemischten Gefühlen über den vorangegangen “Prozess”, der für mich eine Perversion der Rechtsfindung darstellt, wünsche ich Josef von ganzem Herzen eine baldige Heimkehr und eine rasche Erholung!

    Ich würde mir wünschen, dass ihr (Josef und seine Familie) dieses Urteil nicht einfach hin nehmt, sondern dem österreichischem “Rechts”-System Paroli bietet, sobald Josef wieder erstarkt ist.

    “Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht”.

  3. Das Verfahren wurde durchaus überregional wahrgenommen:
    http://www.nzz.ch/international/eine-zeugenaussauge–ein-jahr-gefaengnis-1.18349562
    Das scheint ja wirklich ein merkwürdiges Urteil zu sein. In jedem Fall alles gute für Josef.

    Viele Grüsse aus der Schweiz
    guzz

  4. Werte Familie Slowik,

    gibt es die Pressekonferenz vom 22.7. auch wieder online? Uns würde sehr interessieren, wie im Anschluss an das skandalöse Urteil diskutiert wurde.

    Wir hoffen, dass Sie und vor allem Josef sich trotz des anstehenden Berufungsverfahrens erholen und gemeinsam Kraft für den letzten Kraftakt sammeln können.

    Viele Grüße aus Jena,
    Marie-Theres Kunze

  5. Immerhin frei. Und Berufung? Hier meine Gedanken zum Urteil:

    “Gerade mal wieder ein Zitat von Wiens Polizeipräsident Pürstl kurz nach dem Akademikerball gefunden: “Und das Ganze hat mit Sicherheit auch noch ein Nachspiel. Wir werden das jetzt nicht sitzen lassen und die Straftäter, die auf vielen Videos drauf sind, auf polizeilichen Videos, auf Verkehrskameras, die alle fotografiert wurde, gefilmt wurde und dafür gibt es ja auch ein Vermummungsverbot im Übrigen. Die werden wir auch entsprechend verfolgen. Und jetzt kommen Sie mir nicht mit der Tränendrüse, dass irgendwelche jetzt Tränengas ins Auge bekommen haben, das ist nämlich gut, wenn Sie bei der Rettung waren, da gibt es die Daten, da können wir sie ausforschen und dann werden wir einmal schauen, welche Beteiligung sie gehabt haben.”
    Ein paar Fragen zum Prozess:
    Auf wie vielen Videos/Fotos war Josef noch einmal zu sehen? Auf wie vielen der Hauptbelastungszeuge?
    Wieso wurde der Hauptbelastungszeuge (Zivilbeamter) festgenommen?
    Wieso haben die, die ihn festgenommen haben, nicht ausgesagt?
    Wieso wird der Zivilbeamte nicht wegen Landfriedensbruch angeklagt?
    Wenn der Zivilbeamte Josef Steine werfen sah, wieso fand dann keiner der Müllaufräumer Steine und auch keiner der Polizisten konnte zweifelsfrei davon sprechen, Steine abbekommen zu haben?
    “Was macht ein friedlicher Demonstrant, der nicht ortskundig ist, in erster Reihe fußfrei, wenn Beamte unter Beschuss sind?”
    Frage des Richters in der Urteilsverkündung. Gegenfrage: “Woher wissen sie, dass er in erster Reihe war?” Das hat nicht einmal der Zivilbeamte behauptet. Auch beim Aufstellen des Mülleimers war er nicht wirklich “in erster Reihe”. War Josef überhaupt vermummt?
    Weiter: “Es ist lebensfremd, dass da jemand mitgeht, der damit nichts zu tun haben will – da dreht man sich um und geht. Dass Sie nicht ortskundig sind und deshalb mitgehen – das ist total unglaubwürdig, so naiv san S’ net. Sie hatten sogar ein Handy mit österreichischer Nummer, Sie hätten Kontakt aufnehmen können zu einer Person in Wien, die hätte Sie holen können.”
    Lebensfremd ist die Aussage des Richters. Viele vernünftige Touristen und Besucher kauft sich aus Kostengründen eine SIM-Karte des Landes…
    Wenn er in einem Leben einmal bei einer Demo war, ja auch nur die Videos der Demo gesehen hätte, wüsste er, dass es nicht so einfach war, sich aus dem Kessel zu entziehen
    Wieso wird meinem Cousin das Versagen der Polizei, seine Handschuhe und seinen Pullover erst gar nicht und dann auch noch den falschen (rechts statt links) kontrolliert zu haben, zum Vorwurf gemacht.
    “Obwohl wir Sie schon vier Monate in Haft hatten, waren noch Partikel drauf. Sie können die Handschuhe
    jeden Tag durchgebeutelt, ausgewaschen haben. Der Pullover ist auch nicht sofort sichergestellt worden. Auch hier ist nicht auszuschließen, dass sie ihn waschen, ausbeuteln, bei der Arbeit im Gefängnis verwenden.”
    Wieso werden entlastende Dinge nicht gewertet, so, dass es keine belastendenen Videos etc. gibt, oder auch
    “Auch die Zeugen am Stephansplatz: Dass keiner Sie konkret sieht, ist nur logisch. Aus deren Nicht-Wahrnehmung ist nicht zu schließen, dass die Wahrnehmung des Belastungszeugen nicht korrekt war. Und aus Ihrem Schweigen, da hat sich der Staatsanwalt vertan, ist natürlihc nichts zu schließen.”
    Der Zivilbeamte behauptete, dass Josef eifrig telefonierte, es ergab sich: “Das Ergebnis ist eindeutig: der angeblich „hektisch telefonierende“ Josef S. hat während der Demo kaum telefoniert. Es gab nur drei Anrufe, zwei Aktive und einen Passiven. Bei den aktiven Gesprächen kam es zu keiner Verbindung, der passive Anruf dauerte 89 Sekunden und die Gesprächspartnerin war unverdächtig. Auch verdächtige SMS hatte Josef S. keine versendet, nur Studententratsch über einen Lesekreis bei den Jenaer Falken.”
    Und zu guter Letzt: Wieso darf ein Staatsanwalt meinen Cousin als “Terroristen”, “Rädelsführer” in “kriegsähnlichen Zuständen” beschreiben?
    Wieso darf er einen Angeklagten, der von seinem Recht auf Schweigen Gebraucht macht, nachdem ALLES (!!!), was er gesagt hat, gegen ihn ausgelegt wurde, mit solchen Worten bezichtigen:
    “Ich persönlich halte es für feige, wenn man schweigt, wenn man einem die Maske vom Kopf zieht und man ohne Schutz sich verantworten muss”
    Dabei konnte der Staatsanwalt nicht einmal nachweisen, dass Josef vermummt war…
    Gab es eine Entschuldigung von ihm, Josef mindestens (!) 2 Monate zu lange in Untersuchungshaft gehalten zu haben?
    Zu guter Letzt: “Der Senat hat sich bemüht, weniger polemisch zu formulieren als in der Anklage.” Vielen Dank
    Wer weitere Ungereimtheiten findet, darf sie gerne schreiben.

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