Freiheit für Josef

"Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen." (George Orwell)

Josef als Preisträger für Zivilcourage der Stadt Jena geehrt

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Für sein politisches Engagement wurde Josef heute mit dem Preis für Zivilcourage der Stadt Jena ausgezeichnet. Eine Dokumentation der Preisverleihung ist bei den Filmpiraten zu finden. Wir sind der Jury für ihren Mut Josef trotz seiner kritischen Lage zu unterstützen sehr dankbar. Nach Josefs Wunsch wurde der Preis stellvertretend an unsere vierjährige Nichte und mich übergeben. So konnten wir uns die schwierige Aufgabe teilen; reden musste ich jedoch allein:

“Es ist für mich heute eine zwiespältige Freude heute hier zu stehen, denn meine Anwesenheit ist nur ein weiterer Beweis dafür unter welchen unliebsamen Umständen diese Preisverleihung stattfinden muss. Die Person, welcher wir heute unsere Anerkennung aussprechen, mein Bruder Josef, ist seit dem 24.01. diesen Jahres, seit 4 Monaten und 20 Tagen seiner Freiheit beraubt worden.
Vor genau einer Woche, als ich ihn das letzte Mal sah, wurde er in Handschellen in den Gerichtssaal des Landesgericht Wien geführt. Denjenigen, welchen wir heute für sein Engagement gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung auszeichnen, dieser wird von der Staatsanwaltschaft in Österreich als „Demonstrationssöldner“ und  gefährlicher Straftäter bezeichnet. Er wird sogar als derart gefährlich eingeschätzt, dass nur ein Freiheitsentzug seinerseits die Zivilgesellschaft vor weiteren strafbaren Handlungen schützen kann. Für die Überzeugungen, für die wir Josef heute ehren, drohen Josef nicht weniger als 5 Jahre Gefängnisstrafe.
Ich bin mir durchaus bewusst, in welcher bedenklicher Lage sich mein Bruder befindet. Umso mehr möchte ich der Jury für ihre mutige Entscheidung danken.
Jeder, der Josef kennt, weiß, dass er nie nach Preisen oder Anerkennung für seine Arbeit streben würde. Sein politisches Engagement ist allein durch seine Liebe zu den Menschen und sein Glauben an eine bessere Welt motiviert. Er sagte mir einst, er hätte stets ein so einfaches und gutes Leben führen können, ohne Diskriminierung und Ausgrenzung widerfahren zu müssen – weder aufgrund seiner Herkunft, seines Geschlechtes, seiner Religion oder seiner Erscheinung. Er würde sich wünschen, dass ein jeder Mensch, diese Möglichkeit zur Verfügung stehen würden. Das mag wie ein naiver Traum klingen. Doch es ist ein Traum für den Josef treuer bezahlen musste.
In den letzten vier Monaten haben sich viele Fragen und Zweifel für mich ergeben. Das Verfahren gegen meinen Bruder hat mir und meiner Familie vor Augen geführt, wie eng die Grenzen unsere Gesellschaft gesteckt sind. Für viele Fragen habe ich keine Antwort finden können.
Nur in einem bin ich mir sicher. Josefs Schicksal darf uns nicht als Abschreckung dienen. Es darf uns nicht entmutigen, sondern vielmehr sollte es uns aufrütteln.
Es zeigt auf, welchen weiten Weg wir noch zu gehen haben, um rechtes Gedankengut, Intoleranz und Vorverurteilungen in unsere Gesellschaft zu beseitigen. Einen Weg, den wir nur gemeinsam bewältigen können. Antifaschismus darf kein Randgruppenphänomen sein, bleiben oder werden, sondern muss von allen Teilen der Gesellschaft getragen werden. Wenn wir ein weiteres Schicksal, wie das meines Bruders verhindern wollen – hier oder im Ausland – so können wir das nur durch ein breit gefächertes zivilgesellschaftliches Engagement erreichen. Nur wenn alle Parteien geschlossen agieren, dem gemeinsamen Ziel bewusst, können wir uns gegen Ausgrenzung und Diffamierung zur Wehr setzen. Das bedeutet nicht, dass man sich nicht auch zu weilen kritisch über Methoden und Vorgehen der verschieden Beteiligten auseinandersetzen sollte. Doch sollten interne Konflikte uns nicht vergessen lassen, was wir erreichen wollen. Eine Gesellschaft ohne Diskriminierung von Andersdenkenden und Andersseienden jeder Art. Eine Gesellschaft von Toleranz und Akzeptanz. “

Ein Kommentar

  1. geschickt als Lesezuschrift am 14.6.14
    Lutz Prager zur Verleihung des Jenaer Zivilcouragepreises OTZ vom 14.6.2013
    Herr Prager nennt die Vergabe einen Skandal, abseits jeder rechtsstaatlichen Ordnung. Damit hätte er Recht, wenn das Verfahren und die andauernde Untersuchungshaft gegen Josef Slowik auf rechtsstaatlicher Grundlage stattfinden würde. Wenn man den ersten Prozesstag verfolgt hat (durch Lifetickerberichte einer zugelassenen Journalistin aus dem Gerichtsaal war das möglich), wird man zu der Erkenntnis kommen, das der Prozess und die andauernde Haft ebendiese Grundlage vermissen lassen. Das, und die Tatsache, dass sich dies in einem europäischen Staat ereignet, ist der eigentliche Skandal. In diesem Prozess geht es nicht darum, den Anführer der militanten Demonstranten finden und bestrafen zu wollen. Dies hat die Jury erkannt und setzt mit der Vergabe ein Zeichen. Die Bürger der Stadt Jena dürfen sich, gerade weil sie eine traditionsreiche juristische Fakultät an der Universität haben, diese Form von pauschaler Verurteilung nicht widerspruchslos gefallen lassen.

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