Freiheit für Josef

"Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen." (George Orwell)

Erste Umarmung nach 4 Monaten

| Keine Kommentare

Fast schon gewohnt fahren wir am Freitag nach Wien. Diesmal erwartet uns ein Tischgespräch mit Josef, wie der Name schon sagt, findet das Gespräch an einem Tisch ohne trennende Scheibe statt. Schon die Anmeldung dazu war spannend…
Pünktlich um 11:00 Uhr werden wir namentlich aufgerufen, um die andere Seite des Gefängnisses zu betreten. „Nicht so zögerlich“ bittet uns die Beamtin hinein, dann werden auch hinter uns die Türen verschlossen. Ein gruseliges Gefühl. Danach erfolgt die Belehrung: „die Übergabe jeglicher Dinge an den Gefangenen ist untersagt, Block und Stift dürfen wir mitnehmen, Umarmungen sind erlaubt“. Wir haben im Block eine Zeichnung unserer Enkelin “hinein geschmuggelt” um Josef eine Freude zu bereiten. Der Empfang ist für uns Eltern sehr emotionsgeladen. Wir umarmen unseren Sohn wechselseitig, erzählen von der Familie und richten Grüße aus. Die Liste ist lang und wir hoffen niemanden zu vergessen. Diese alltäglichen Floskeln helfen uns Josefs Stimmung aufzunehmen, bevor wir ihn nach dem „schwarzen“ Freitag – der letzten Enthaftungsablehnung trotz negativen Stimmgutachtens – fragen. Josef berichtet ruhig vom Geschehen. Unterschwellig spüren wir seine kontrollierten Gefühle. Wir sind ein weiteres Mal von der Entscheidung betroffen und verspüren eine Mischung aus Trauer und Wut in uns. Deshalb wechseln wir das Thema, zeigen die Kinderzeichnung und fragen Josef nach seinem Alltag.
Die 50 Minuten gehen viel zu schnell vorbei, eine letzte Umarmung und wir verlassen mit der Beamtin das Gefängnis. Wir werden mit den Worten „Auf Wiedersehen“ verabschiedet. Auf unsere Entgegnung „lieber nicht“ erhalten wir die Antwort „Sagen Sie das ihrem Sohn!“
Doch was sollen wir ihm sagen?
Wir würden es nur zu gerne tun.

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.