Freiheit für Josef

"Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen." (George Orwell)

Wie einen Anfang finden?

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Seit der Verhaftung von Josef am 24.1.14 sind wir schlagartig mit einer für uns völlig unerwarteten und in ihrem Ausmaß nicht abzuschätzenden Situation konfrontiert worden. Im Vordergrund steht die Sorge um den jungen Mann, unserem “Kind”.
Wie geht es ihm? Weshalb ist er in Untersuchungshaft gekommen? Was ist wirklich geschehen? Welcher Sachschaden ist entstanden oder haben sogar Menschen Schaden genommen?
Schnell wurde klar, Josef werden schwerwiegende Gesetzesverstöße zur Last gelegt. Für uns ist dies beängstigend und unvorstellbar. Aber es stand auch für uns die Frage, ob er sich etwas zu Schulden kommen ließ.
Unser erster Besuch bei ihm gab uns die Antwort. Das emotionsgeladene Wiedersehen, getrennt durch Glasscheiben und Kopfhörer, hatte keinen Platz für gespielte Gefühle oder Lügen. Er gab uns zu verstehen, dass er nichts von dem getan hat, was ihm vorgeworfen wird.
Nur für wenige Minuten sind wir beruhigt, dann folgt die Bestürzung.
Josef hat keine der ihm vorgeworfenen Taten begangen! Jedoch sind die österreichischen staatlichen Organe anderer Meinung. Sie sehen in ihm einen gewalttätigen und allgemein gefährlichen Menschen. Er soll der Rädelsführer sein und andere zu Gewalttaten aufrufen. Nicht nur die Justiz, auch die österreichische Presse zeichnet dieses Bild von unserem Sohn.
Wie sollen wir, seine Eltern, zwei normale Durchschnittsbürger, der österreichischen Justiz und den Wiener Bürgern vermitteln, dass sie ein falsches Bild von unserm Sohn haben?
Wie ihnen erklären, dass wir es als ehemalige DDR-Bürger besonders schätzen, in einem Europa zu leben, in dem es ein Bürgerrecht ist in öffentlichen Demonstrationen seine Meinung kundzutun?
Wie sie informieren, dass in unserer Heimatstadt langjährige Bürgerbewegungen existieren, die es sich zur Aufgaben gemacht haben, Erscheinungsformen des modernen Rechtsextremismus in jedweder Form aktionsbezogen entgegenzutreten?
Wie ihnen darstellen, dass die Täter der berüchtigten NSU-Mordserie aus Jena kommen und es vielen Jenensern und besonders jungen Menschen ein Bedürfnis ist, zu zeigen, dass dieses Gedankengut nicht von der Mehrzahl der Bürger getragen wird?
Wie ihnen sagen, dass die Anwendung von Gewalt in jeglicher Form von uns abgelehnt wird und dass wir darüber mit unseren Kindern im Konsens stehen?
Wie ihnen erläutern, dass uns die Gewaltszenen und die Randale von Wien bestürzt haben?
Wie ihnen nahe legen, wie schrecklich es für einen jungen Menschen sein muss, unschuldig seine Freiheit geopfert zu haben? Jeder Tag zählt!
Wie ihnen kundtun, dass sein privater Lebensplan, sein Studium gefährdet ist?
Wie Ihnen schildern, dass wir die Gefahr sehen, dass sowohl seine Persönlichkeit als auch seine psychische Gesundheit Schaden nehmen können?
Vor allen Dingen, wie ihnen bezeugen, dass unser Sohn auf der Demonstration seine Meinung zeigte, aber mit den Verletzten und den Sachschäden nichts zu tun hat und haben wollte?
Was können und müssen wir für unseren Sohn tun?
Jeden freien Moment nimmt uns diese Frage in Anspruch. Wir sehen uns mehr Schwierigkeiten gegenüber, als wir bewältigen können. Glücklicherweise gibt es kleinere Aufgaben, die wir erfüllen können. Josef darf in den ersten Wochen keinen Besuch außer von den Eltern erhalten. So fahren wir 6 Wochen lang jeden Freitag 700 km nach Wien für eine halbe Stunde Gespräch. Als große Entlastung verspüren wir auch die Arbeit der linken Soligruppen, die versuchen, das in ihrer Macht Stehende tun und die Verhaftung Josefs bekannt machen und eine breite Solidaritätswelle in Deutschland, Österreich und für uns überraschenderweise in ganz Europa auslösen.
Aber wird dies eine Auswirkung auf die österreichische Justiz haben?
Leider nein!
Es scheint, als bestärke die Solidaritätswelle die Annahme, dass unser Sohn eine entscheidende Person in der „Szene“ ist.
Jeder Haftentlassungsantrag, der immer mit der Hoffnung verbunden ist, ihn wenigstens aus der Untersuchungshaft nach Hause zu bekommen, wird abgelehnt. Die Ablehnungen vermittelt uns die ungebrochene Meinung in Österreich. Dies gibt uns jedes Mal einen heftigen Stich in das Herz. Wir fühlen uns mit unseren Sorgen einsam und verlassen.
Aber es gibt sicherlich auch Menschen, die uns zur Seite stehen und Mut vermitteln können, die unseren Blick erweitern und uns nicht nur das Schicksal unseres Sohnes sehen lassen. Diese WEB-Site ist ein Versuch – der Versuch, eine Unterstützung für unseren Sohn aus der sogenannten gemäßigten bürgerlichen Mitte zu finden.

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